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Identifizierung von Produktivitätseinflussgrößen

 
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N. Lindenthal
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BeitragVerfasst am: 09 Feb , 2006 15:11    Titel: Identifizierung von Produktivitätseinflussgrößen Antworten mit Zitat

Sehr geehrte Damen und Herren,

derzeit beschäftige ich mich mit folgender Fragestellung:

Welche Verfahren existieren zur Identifizierung von Produktivitätseinflussgrößen?

Das Problem aus meiner Sicht ist, dass aufgrund der Vielzahl an Einflussgrößen Wirkungszusammenhänge nicht eindeutig bestimmt werden können. Zur Untersuchung eines einzelnen Einflussfaktors müssten müssten idealerweise alle anderen Einflussgrößen konstant gehalten werden, um den in Frage stehenden Einfluss zweifelsfrei isolieren zu können. Dies ist in der Realtität leider nur schwer umsetzbar (DeMarco hat das in seinem Roman in Morovia ja anscheinend geschafft.. Smile ).


Meine Fragen in diesen Zusammenhang sind folgende:

- Welche Möglichkeiten und Verfahren bestehen zur Identifizierung von Einflussgrößen?

- Welche neben den beiden genannten Studien haben systematisch die relevanten Einflussgrößen untersucht? Ich habe bislang nur zwei Studien gefunden, die von Boehm (Software Science 1986) und Caper Jones (Software Assesment, Benchmarks und Best Practices 2000).

Vielen Dank für Ihre Mühe im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
N. Lindenthal
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Manfred Bundschuh



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BeitragVerfasst am: 10 Feb , 2006 15:20    Titel: Bundschuh Antworten mit Zitat

Hallo Herr Lindenthal,

Produktivität ist definiert als Aufwand pro Umfangseinheit (oder Größeneinheit, z.B. LOC oder FP). Also können Aufwandeinflussgrößen oder Umfangeinflussgrößen die Produktivität beeinflussen. Bei den Umfangeinflussgrößen sieht man das ja sofort, wenn Sie LOC von Assembler undz.B. C vergleichen, dann werden paradoxerweise die Assemblerprogramme produktiver (weniger Aufwand pro LOC, da mehr LOC programmiert als in C).

Ihre Frage läßt sich also auf die zwei Fragen aufteilen:
- welche Verfahren ex. zur Identifikation von Aufwandeinflussgrößen, bzw.
- welche Verfahren ex. zur Identifikation von Umfangeinflussgrößen. Hierzu kenne ich keine Untersuchungen.

Zur Identifikation von Aufwandeinflussgrößen habe ich einige Tagungsbeiträge in Erinnerung, wo versucht wurde, solche mit Multivariaten Analysen (Multivariate Regressionsanalysen ??? - das ist wirklich nicht mein Gebiet) zu ermittlen. Wenn ich mich recht erinnere, sind auf diese Weise inzwischen ca. ein halbes Dutzend statistisch relevante den Aufwand beeinflussende Größen in verschiedenen Tagungsbeiträgen identifiziert worden. Wenn ich mich recht erinnere z.B. Programmiersprache, Programmkomplexität etc. - aber da bin ich mir nicht sicher ob meine Erinnerung stimmt. Dazu müßte ich erst in Tagungsbänden suchen. Wenn ich mich recht erinnere ist eine solche Untersuchungen auch im Umfeld von Prof. Alain Abran durchgeführt worden, aber auch da bin ich mir nicht sicher. Wenn ich die Zeit dazu finde, suche ich mal in meinen Tagungsbänden. Ich finde diese Fragestellung interessant, weil damit ein Schätztool basierrend auf statisch abgesicherten Einflussfaktoren entwickelt werden kann.

Eben aufgrund der Vielzahl von Einflussfaktoren, kann man nur mit Multivariaten Analysen arbeiten um statistische Relevanz zu prüfen. Zur diesbezüglichen Qualität der Studien von Böhm (sicher veraltet) und Capers Jones sollte besser ein Professor antworten. Auch da wäre Professor Alain Abran in Montreal (oder Prof. Zuse in Berlin) eine verlässliche Quelle, so man daher eine Auskunft bekommen kann.
Freundliche Grüße,
Manfred Bundschuh
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Manfred Bundschuh



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BeitragVerfasst am: 13 Feb , 2006 11:10    Titel: Entwicklungsaufwand Einflussgrößen Antworten mit Zitat

Hallo Herr Lindenthal,

soeben finde ich (zufällig ? - es gibt wohl keine Zufälle) bei der Übersetzung meines Buchs auf Seite 286 im Kapitel 7.2.1 Vom Unternehmen nicht beeinflussbare Projektmerkmale (der ISBSG-Studien) folgenden Absatz:

John Moses und Malcolm Farrow berichten von einer statistischen Untersuchung, dass die Function Points zu 41% den Entwicklungsaufwand beeinflussen, zusammen mit der maximalen Teamgröße sogar zu 60%, bei Hinzunahme der Programmiersprache sogar zu 62%. Gegenüber anderen Untersuchungen können Sie aber keinen Einfluss der Entwicklungsplattform feststellen.

Moses, J., Farrow, M. A Consideration of the Variation in Development Effort Consistency Due to Function Points, in: Proceedings of the Software Measurement European Forum 2004 (SMEF2004), Rome, Instituto die Ricerca Internationale S.r.l., Milano, 28.-30.1.2004, S. 247-256, ISBN 8-8866-7433-3

Da haben Sie ja schon erste validierte Untersuchungen.
Freundliche Grüße,
Manfred Bundschuh
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Daniel Hoffmann



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BeitragVerfasst am: 13 Feb , 2006 17:34    Titel: Re: Bundschuh Antworten mit Zitat

Manfred Bundschuh hat Folgendes geschrieben:
Hallo Herr Lindenthal,

Produktivität ist definiert als Aufwand pro Umfangseinheit (oder Größeneinheit, z.B. LOC oder FP). Also können Aufwandeinflussgrößen oder Umfangeinflussgrößen die Produktivität beeinflussen. Bei den Umfangeinflussgrößen sieht man das ja sofort, wenn Sie LOC von Assembler undz.B. C vergleichen, dann werden paradoxerweise die Assemblerprogramme produktiver (weniger Aufwand pro LOC, da mehr LOC programmiert als in C).

Ihre Frage läßt sich also auf die zwei Fragen aufteilen:
- welche Verfahren ex. zur Identifikation von Aufwandeinflussgrößen, bzw.
- welche Verfahren ex. zur Identifikation von Umfangeinflussgrößen.


Hallo,

mir fällt da sofort das Thema COCOMO ein - hier werden doch Kosten- und Scalenfactoren als Aufwandstreiber definiert, welche über die Projektgröße in FP bzw. LOC zum Projektaufwand führen.
Wie Herr Bundschuh ganz richtig definiert, ist die Produktivität der Quotient aus Projektaufwand zu Projektumfang.
Also können die Parameter des COCOMO-Modells doch auch zur Herleitung von Produktivitätstreibern dienen.

Wenn ich zum Beispiel die fachlichen Fähigkeiten des Teams von durchschnittlich auf obere 35% setze, senkt das bei gleicher Projektgröße in FP meinen Aufwand in PM - somit erreiche ich eine Produktivitätssteigerung im Projekt.

Ich weiß, dass die COCOMO-Faktoren das Thema Produktivität nicht vollständig abdecken können - ein Anfang wäre es aber schon...

Gruß
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Manfred Bundschuh



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BeitragVerfasst am: 14 Feb , 2006 10:53    Titel: Einflussgrößen Aufwand Antworten mit Zitat

Hallo Herr Hoffmann und Herr Lindenthal,

interessant wäre zu erfahren wie die COCOMO Kosten- und Scalenfaktoren validiert wurden. Wir kennen alle die ca. 200 Faktoren die in Capers Jones Schätztoll Checkepoint bzw. KnowledgePlan sind - da gibt es aber keine validen Untersuchengen darüber, und die wirken sich sicherlich auch auf die anderen vier Pfeiler des Teufelsquadrats aus. Ich kenne COCOMO nicht, daher weiß ich nicht, ob es entsprechende Veröffentlichungen gibt, in denen die Validität untersucht wurde. Meistens geben sich Toolhersteller mit solchen Kleinigkeiten nicht unbedingt ab und verwenden einfach dem gesunden Menschenverstand bekannte Einflusfaktoren, das macht weniger Mühe. Und es ist schwer an validierbare Zahlen aus nachkalkulierten Projekten heranzukommen. Ein interessantes Thema

Wie gesagt, ich meine zu einem halben Dutzend Aufwandstreibern einzelne Veröffentlichungen in Erinnerung zu haben, wo die Validität geprüft wurde. Bei allen anderen wäre ich nach den Erfahrúngen mit z.B. Halstead-Metriken sehr vorsichtig. Und zu Ihrer Frage, wie die Validität festgestellt wird, da bleibt m.E. nur eine statistische Prüfung mit Regressionsanalysen übrig.

Freundliche Grüße,
Manfred Bundschuh
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