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Güte einer FP-Schätzung

 
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Jessica
Gast





BeitragVerfasst am: 09 Jan , 2006 18:02    Titel: Güte einer FP-Schätzung Antworten mit Zitat

Hallo,

meine Frage ist folgende: Gibt es eine allgemeingültige Definition zur Güte einer FP-Schätzung? Wenn ja, welche?
Kann eine Aussage darüber getroffen werden, um wieviel Prozent eine nach FP-Methode vorgenommene Aufwandschätzung in der Regel vom tatsächlichen Auwfand abweicht, trotz Scope Creep und einem sich im Laufe eines Projektes evtl. ändernden Projektumfelds?

Gruß
Jessica
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Pechlivanidis



Anmeldedatum: 05.10.2004
Beiträge: 11
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 12 Jan , 2006 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

diese Frage ist teilweise falsch gestellt, oder ich hab sie falsch verstanden:

Es gibt eine Aussage, die besagt, dass sich zwei Zählungen zweier IFPUG CFPS zum selben Zählobjekt nicht mehr als x% (x<5%, genaue Zahl weis ich niht mehr) voneinander unterscheiden. Dies soll die Vergleichbarkeit der Zählungen gewährleisten.

Zu der Frage nach der Abweichung der FP-basierten Schätzung vom tatsächlichen Aufwand wurde, soweit ich weis, bisher mit einem Trichter gearbeitet, der darstellte, dass zur Fertigstellung der tatsächliche Aufwand mit der FP-basierten Schätzung zusammentrifft.

Die Genauigkeit hängt hier von mehreren Faktoren ab:
Vom Messzeitpunkt:
Wann wurde die Zählung durchgeführt?
- Je später, desto genauer

Von der Qualität der Daten zu diesem Zeitpunkt:
Wie gut ist die Funktionalität beschrieben?
- Je besser, desto genauer

Vom verwendeten Produktivitätsfaktor:
Welcher Faktor wurde verwendet? (Sprache, Plattform, Sprache, etc.)
-Je besser der Umfeld des Faktors passt, desto genauer.
Auf welcher statistischen Basis basiert der Faktor?
- Je mehr Projekte, desto valider die statistische Aussagekraft.


Falls sich die Frage nur auf die Zahlen des Trichters bezieht, müsste ich mal nachschauen, ob ich eine Präsentation mit Quellenangabe finde.
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Bundschuh
Gast





BeitragVerfasst am: 15 Jan , 2006 19:23    Titel: Güte einer FP-Schätzung Antworten mit Zitat

Hallo Jessica,

vorab: ist tatsächlich Güte einer FP-Schätzung (1) gemeint oder Güte einer FP-Zählung (2) oder Güte einer Aufwandschätzung, die als Umfangsmass FPs verwendet (3).

Es gibt dazu also mehrere Teilaspekte

1. Güte einer FP-Schätzung: dabei kommt es darauf an, mit welcher Schätzmethode FPs geschätzt werden, siehe Veröffentlichungen von Roberto Meli, der solche Schätzmethoden zusammengestellt hat. Von meiner eigenen FP-Prognose habe ich Fehlerrechungen durchgeführt und lag bei ca. 13 % Abweichung von den damit geschätzten FPs gegenüber den tatsächlich gezählten. Die Mühe für solche Fehlerrechnungen macht sich nicht jeder, der eine solche Schätzmethode erfindet.

2. Güte einer FP-Zählung: Dazu gibt es Veröffentlichungen in Konferenzberichten, z.B. David Longstreet: Validating FP Counting - Results from the EL Paso Study (fand ich zufällig auf Anhieb), The 8th European Software CControl and Metrics Conference, Berlin, May 26 - 28, 1997 (david@softwaremetrics.com): 15 von 24 Zählern wichen bis zu 10 % ab, 20 von 24 bis zu 25 %, 4 von 24 über 30 % (Fallstudie 2) von den tatsächlichen FPs. Von einer japanischen Untersuchung habe ich 6 % Abweichung in Erinnerung, häfig wird bis 15 % oder 20 % als "gut" angesehen. Zertifizierte erfahrene FP-Zähler sollten m.E. nicht mehr als 5 - 7 % Abweichung voneinander haben (meine persönliche Meinung/Erfahrung).

3. Güte einer Aufwandschätzung, die als Umfangsmass FPs verwendet: Dazu sind mir keine Veröffentlichungen bekannt, nur inoffizielle Gespräche auf Tagungen, die von 20 % bis 30 % und mehr Abweichungen nennen. Dabei wird 20 % als "gut" angesehen. Angesichts der Tatsache, dass viele Projekte doppelt so teuer wie geplant werden, kann alles unter 100% nur mit gut bezeichnet werden (meine persönliche Meinung - etwas übertrieben, bitte nicht allzu ernst nehmen).

Zu den 3 Themen müßte eine aufwändige Suche in Tagungsbänden durchgeführt werden, da gibt es zumindest zu 2. einige Untersuchungen. Das ist eine interessante Forschungsarbeit, das Ergebnis wäre ein ersehnter Beitrag auf jeder Metriktagung. Wenn Sie aus der Nähe Köln sind, können Sie gerne einige Tage meine Tagungsbände durchlesen kommen.

Am Besten noch mal Ihre Frage präzisieren (ob 1, 2, oder 3).

Mit freundlichen Grüßen,
Manfred Bundschuh
bundschuh@dasma.org
www.gm.fh-koeln.de/~bundschu
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Daniel Hoffmann



Anmeldedatum: 18.12.2004
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 11 Feb , 2006 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

aus der Praxis bei QuantiMetrics würde ich gerne folgende Erfahrungswerte sowohl aus unseren Schulungen als auch aus dem Zählaltag weitergeben:

In der Regel liegt die Abweichung zwischen unterschiedlichen Zählern bei der Function-Point-Analyse vom Ergebnis her unter 5%. In seltenen Fällen haben wir auch schonmal 10% - dann meistens begründet in einer abweichenden Sicht (User View) auf das zu betrachtende System.

Abweichungen von 30-50% lagen immer begründet in einer falschen Anwendung des IFPUG-Standards.

Zur Güte von Function-Point-Schätzungen (FPs werden also nicht nach Standard gezählt, sondern 'nur' abgeschätzt) lässt sich sagen, dass hier in der Regel mit einer Ungenauigkeit von 30% zu rechnen ist, soweit das Basismaterial (Fachkonzept) ausreichend Informationen bereithält.

Wie verlässlich sind Aufwandsschätzungen auf der Basis von Function-Points? Das hängt in erster Linie vom eingesetzten Schätzmodell (COCOMO, Erfahrungsdatenbank etc.), aber auch von der Erfahrung des Aufwandsschätzers mit den Methoden ab.

Die Qualität der Schätzungen erreicht ein vergleichbares Niveau wie Expertenschätzungen.
In jedem Fall wird man nie in Größenordnungen (also um das x-fache) daneben liegen, sondern sich immer im Prozentbereich (10-30%)bewegen.

Ich will jetzt hier garnicht die Schätzgenauigkeit von Expertenschätzungen ins Feld führen - geschweige denn die Genauigkeit der Aufwandsnachmessung (d.h. gehören alle auf ein Projekt gemeldeten Aufwände tatsächlich zum Projekt)...
...das wäre mal eine ganz andere interessante Frage Rolling Eyes

Gruß
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Hoffmann PMC
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Eva Maria Schielein
Gast





BeitragVerfasst am: 16 Feb , 2006 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jessica,
sorry für die späte Antwort, bin erst neulich auf das Forum gestossen. Code creep lässt sich beispielsweise auch nachweisen, indem die Function Point Analysis zu mehreren Zeitpunkten im Projektlebenszyklus vorgenommen wird: also etwa nach Erstellung des Fachkonzeptes (Messung der Anforderungen), dann während der Designphase (Messung Pflichtenheft) und schliesslich nach Abnahme (Messung der tatsächlich realisierten Funktionalität).
Nach unserer Erfahrung ist während der Durchführung von SW-Projekten durchschnittlich mit 25% Änderungen pro Jahr zu rechnen.

Gruß,
Eva Schielein
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Bundschuh
Gast





BeitragVerfasst am: 18 Feb , 2006 17:47    Titel: Schätzgenauigkeit und requirements creep (scope creep) Antworten mit Zitat

Hallo Jessica und Frau Schierlein,

was den requirements creep betrifft ist Ihre Erfahrung ja mitten im Bereich der von Capers Jones genannten 1 - 3% pro Monat Projektlaufzeit. Siehe dazu auch mein Buch S. 36 ff Kapitel 1.5 Schleichender Funktionszuwachs (Requirements Creep).

Ich bin zur Zeit bei der Übersetzung meines Buchs und hab dabei gesehen, dass auf den Seiten 172 - 174 das Kapitel 4.5.4 Genauigkeit der Schätzmethoden einige Kennzahlen enthält.

Gruß, Bundschuh
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Manfred Bundschuh



Anmeldedatum: 11.05.2004
Beiträge: 50
Wohnort: D-51465 Bergisch Gladbach

BeitragVerfasst am: 24 Jul , 2006 19:30    Titel: Manfred Bundschuh Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
bin heute bei der Übersetzung meines Buchs auf folgenden Absatz gestoßen (leider war die Quellenangabe nicht im Literaturverzeichnis, dafür hier):

Practically often the question is raised about the precision of estimation methods. Shigeru Nishiyama performed in 1999 a study of 5 new devel-opment projects being counted from two Function Point Counters (FPA and FPB) and analyzed the results thoroughly. His regression analysis re-sulted in
FPB = 0.97 * FPA + 4.01 with R2 = 0.999.

The small difference of 3% resulted from different interpretations of vague descriptions in the requirements documents and from intersections in the declaration of EI’, EO’s and EQ’s in the Counting Practices Manual (CPM) of the IFPUG (see the table “Not defined cases” in the chapter “IFPUG Function Point Counting Rules” in this book).

Shigeru Nishiyama, On Precision of Function Point Analysis, Proceedings of The 2nd European Software Measurement Conference FESMA 99, Amsterdam, the Netherlands, Oct. 4 - 8, 1999, Herausgeber: Technologisch Instituut, Antwerpen/Belgien, 1999, ISBN: 90-76019-07-X, pp. 307 - 318
Cheers, Manfred
_________________
Manfred Bundschuh
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Tel.: 02202-35719 (20 - 21 Uhr Telefonsprechstunde)
email: Manfred.bundschuh@netcologne.de
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